31. Oktober 2020, 19 Uhr
Rezeption des Plattenbaus in der Gegenwartskunst in Polen

Vortrag von Stefan Paruch / Warschau, PL
Programmpunkt der Ausstellung WBS70 fünfzig Jahre danach 

Die modernistische Architektur, insbesondere die späte Architektur für die Massen, die in großem Maßstab aus vorgefertigten Teilen gebaut wurde, ist Bestandteil der Stadtlandschaft. So wird sie zu einer natürlichen Kulisse für künstlerische Aktivitäten, Erzählungen vom Alltag, Kommentare zu aktuellen, manchmal rein politischen Ereignissen. Es gibt Künstler und Institutionen, die in dem öffentlichen Raum performative Aktionen initiieren, die Bewohner aktivieren und ausgegrenzte Gruppen zu künstlerischen Aktivitäten anregen. In diesem Sinne soll die Kunst Veränderungen einleiten, die ungünstigen sozialen Phänomene ausgleichen. In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass die Architektur ein naheliegender Hintergrund für künstlerische Praxen ist, ein Feld für die Kontextsuche und die Inspiration.

In der polnischen Gegenwartskunst ist der Diskurs über das Erbe der späten Moderne äußerst lebhaft. Infolge dynamischer wirtschaftlicher Prozesse verändert sich die Stadtlandschaft nicht nur in ästhetischer Hinsicht: Viele Orte bekommen völlig neue Funktionen. Die sozialen Beziehungen verändern sich. Es treten neuartige Konflikte auf. In den lokalen Gemeinschaften entstehen zahlreiche Spannungen. Nicht selten werden die Veränderungen zum Anlass für den wirtschaftlichen Missbrauch. So spielen Künstler eine wichtige Rolle bei der Organisation des Raumes, im wortwörtlichen, aber auch im metaphorischen Sinne. Eine kritische Haltung bietet die Gelegenheit, sich mit dem konkreten Erbe der 1970er und 1980er Jahre auseinanderzusetzen und die heutige Realität auf neue Weise zu betrachten.

STEFAN PARUCH (geb. 1978 in Warschau / Polen) ist bildender Künstler, seine Interessengebiete sind Malerei, Videokunst und Film. Seit 2008 ist er Assistenzprofessor am Institut für Künstlerische Bildung, Maria-Grzegorzewska-Universität in Warschau, seit 2018 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau / Polen. Lehraufträge für Zeichnen, Methodik der Lehre der Kunst der neuen Medien und Multimedia.

© Maria Kiesner "Zentralbahnhof" Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2007

ACHTUNG TERMIN ABGESAGT!
27. März 2020, 19 Uhr
Kulturabend zur sorbischen Sprache mit Benedikt Dyrlich

Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Heimat, Domizna, Domovina“ mit Fotografien von Yvonne Most.

Die sorbische Sprache ist seit einigen Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Vor dem Hintergrund Yvonne Mosts Fotografien aus der Lausitz findet im Kunsthaus Raskolnikow ein besonderes Kulturevent statt. In der Lesung werden Auszüge aus dem literarischen Werk des bekannten Dichters Benedikt Dyrlich von ihm persönlich vorgelesen. Die Veranstaltung findet in der sorbischen Sprache statt. Die Moderation übernimmt Kirsten Böhme vom Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e. V. und Jadwiga Piatza vom Stup dale e. V.

Zusätzlich werden Kinder aus dem Dresdner Sorben-Verein Stup dale ein kleines Folklore-Programm vorstellen.

BENEDIKT DYRLICH stammt aus der Oberlausitz und ist Redakteur, Politiker und Schriftsteller. Er verfasst Lyrik und Prosa in sorbischer und deutscher Sprache. Er gilt als einer der originellsten zeitgenössischen sorbischen Lyriker (nach Wikipedia).

Veranstalter:
Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e. V.
> Stup dale
 e. V.

Förderer:
> Stiftung für das Sorbisches Volk

Yvone Most aus der Serie "Lausitz"
©Yvonne Most aus der Serie "Lausitz"